Nach der Überschwemmung: Was können Sie im Keller retten?

Nach der Überschwemmung: Was können Sie im Keller retten?

Wenn das Wasser nach einer Überschwemmung endlich zurückgeht, stehen viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer vor derselben Frage: Was lässt sich noch retten – und was muss entsorgt werden? Der Keller ist meist am stärksten betroffen, da sich hier das Wasser zuerst sammelt. Mit der richtigen Vorgehensweise können Sie jedoch oft mehr bewahren, als Sie denken. Hier finden Sie eine praktische Anleitung, wie Sie sicher und effektiv vorgehen.
Sicherheit geht vor
Bevor Sie den Keller betreten, müssen Sie sicherstellen, dass keine Gefahr besteht. Wasser und Strom sind eine gefährliche Kombination, und auch gesundheitliche Risiken durch verunreinigtes Wasser sind möglich.
- Strom abschalten, bevor Sie den Keller betreten. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie den Strom von einer Elektrofachkraft abstellen.
- Schutzkleidung tragen: Gummistiefel, Handschuhe und gegebenenfalls eine Atemschutzmaske.
- Raum lüften, um Feuchtigkeit und mögliche Gase entweichen zu lassen.
- Schäden dokumentieren – machen Sie Fotos, bevor Sie mit der Reinigung beginnen. Diese sind wichtig für die Versicherung.
Erst wenn die Sicherheit gewährleistet ist, sollten Sie mit der Schadensbewertung beginnen.
Harte Materialien: Beton, Metall und Kunststoff
Gegenstände und Oberflächen aus harten Materialien haben meist gute Chancen, gerettet zu werden, wenn Sie schnell handeln.
- Betonwände und -böden können in der Regel austrocknen, müssen aber gründlich mit einem Desinfektionsmittel gereinigt werden.
- Metallgegenstände wie Werkzeuge, Regale oder Fahrräder können Sie mit sauberem Wasser abspülen und anschließend gut trocknen. Bewegliche Teile sollten geölt werden, um Rost zu vermeiden.
- Kunststoffbehälter und -kisten lassen sich meist reinigen und weiterverwenden, sofern sie nicht längere Zeit im Schmutzwasser standen.
Verzichten Sie darauf, mit einem Hochdruckreiniger direkt auf Wände oder Böden zu sprühen – das kann Feuchtigkeit tiefer ins Material drücken.
Holz, Möbel und Textilien – eine größere Herausforderung
Organische Materialien reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit. Hier ist schnelles, aber überlegtes Handeln gefragt.
- Massivholz kann manchmal gerettet werden, wenn es langsam und gleichmäßig trocknet. Direkte Hitze vermeiden, da sich das Holz sonst verzieht.
- Spanplatten und MDF verlieren bei Wasserkontakt ihre Stabilität – sie sollten entsorgt werden.
- Teppiche, Matratzen und Polstermöbel, die mit Schmutz- oder Abwasser in Berührung gekommen sind, lassen sich kaum hygienisch reinigen. Aus Gesundheitsgründen sollten sie weggeworfen werden.
- Kleidung und Textilien können bei hohen Temperaturen gewaschen werden, aber prüfen Sie, ob Geruch oder Verfärbungen bleiben.
Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrer Versicherung, bevor Sie etwas entsorgen – oft gibt es Vorgaben zur Schadensbewertung.
Elektrische Geräte und Anlagen
Elektrische Geräte, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, stellen ein erhebliches Risiko dar. Schon geringe Feuchtigkeit kann gefährlich sein.
- Geräte, die unter Wasser standen, sollten grundsätzlich ersetzt werden – vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine.
- Kleinere Geräte, die nur feucht geworden sind, können eventuell von Fachbetrieben geprüft und getrocknet werden.
- Heizungsanlagen und Pumpen sollten von einem Fachbetrieb kontrolliert werden, bevor sie wieder in Betrieb gehen.
Schalten Sie niemals selbst ein Gerät ein, um zu testen, ob es noch funktioniert – es besteht Brand- oder Stromschlaggefahr.
Reinigung und Trocknung
Nachdem Sie beschädigte Gegenstände sortiert haben, beginnt die eigentliche Arbeit: das Reinigen und Trocknen.
- Restwasser entfernen – mit Pumpen oder einem Nasssauger.
- Oberflächen reinigen – mit Wasser und Desinfektionsmittel, besonders bei Kontakt mit Abwasser.
- Luftentfeuchter und Ventilatoren einsetzen, um die Feuchtigkeit aus dem Raum zu bekommen. Das kann mehrere Wochen dauern.
- Auf Schimmel achten – dunkle Flecken oder muffiger Geruch sind Warnzeichen. Ziehen Sie im Zweifel eine Fachfirma hinzu.
Je schneller der Keller trocknet, desto geringer ist das Risiko für dauerhafte Schäden.
Versicherung und Schadensmeldung
In Deutschland deckt die Wohngebäudeversicherung Überschwemmungsschäden nur ab, wenn eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen wurde. Melden Sie den Schaden so früh wie möglich und reichen Sie Fotos und eine Liste der beschädigten Gegenstände ein.
Beachten Sie:
- Schäden durch Rückstau aus der Kanalisation sind nur versichert, wenn ein funktionierendes Rückstauventil vorhanden war.
- Eigenanteile und Nachweise über Schutzmaßnahmen können die Erstattung beeinflussen.
- Bewahren Sie Belege und Rechnungen für Reinigungs- und Trocknungsarbeiten auf.
Vorbeugen für die Zukunft
Wenn der Keller wieder trocken ist, lohnt sich der Blick nach vorn. Überschwemmungen treten in Deutschland immer häufiger auf – doch Sie können vorbeugen.
- Installieren Sie ein Rückstauventil oder eine Hebeanlage, um Abwasser im Ernstfall zurückzuhalten.
- Halten Sie Dachrinnen und Abflüsse sauber.
- Lagern Sie Wertgegenstände in wasserdichten Boxen auf Regalen, nicht auf dem Boden.
- Prüfen Sie regelmäßig Ihre Versicherungspolice und ergänzen Sie gegebenenfalls den Elementarschutz.
- Überlegen Sie, ob eine Pumpe oder ein Notstromaggregat sinnvoll ist.
Eine Überschwemmung ist belastend, aber sie kann auch Anlass sein, den Keller widerstandsfähiger zu machen – für die nächste Starkregenperiode sind Sie dann besser vorbereitet.













