Neue Öffnung im Mauerwerk? So machen Sie es Schritt für Schritt sicher

Neue Öffnung im Mauerwerk? So machen Sie es Schritt für Schritt sicher

Eine neue Öffnung in einer Wand – sei es für eine Tür, ein Fenster oder einen Durchgang – kann Räume heller und offener wirken lassen. Doch das Herausbrechen von Mauerwerk ist kein gewöhnliches Heimwerkerprojekt. Wände tragen oft Teile der Gebäudestruktur, und ein falscher Eingriff kann gravierende Folgen haben. Hier erfahren Sie, wie Sie das Vorhaben sicher planen und umsetzen – und wann Sie besser einen Fachmann hinzuziehen sollten.
Vor dem Start – prüfen Sie die Konstruktion
Bevor Sie Hammer oder Trennschleifer ansetzen, müssen Sie wissen, ob die Wand tragend oder nicht tragend ist. Tragende Wände stützen Decken, Dach oder andere Bauteile, während nicht tragende Wände nur der Raumaufteilung dienen.
- Blick in die Bauunterlagen: In den Bauplänen ist vermerkt, welche Wände tragend sind. Diese können Sie beim Bauamt oder Hausverwalter einsehen.
- Wandstärke prüfen: Tragende Wände sind meist 24 cm oder dicker, Trennwände oft nur 10–15 cm.
- Lage im Gebäude: Wände in der Mitte des Hauses oder unter Deckenbalken sind häufig tragend.
Sind Sie unsicher, lassen Sie die Wand von einem Statiker oder Bauingenieur beurteilen. Diese Investition lohnt sich – sie schützt Sie vor teuren Folgeschäden.
Planung und Genehmigungen
Steht fest, welche Wand Sie bearbeiten, planen Sie die Größe und Position der Öffnung. Überlegen Sie:
- Wie viel Licht oder Durchgangsbreite Sie benötigen.
- Ob eine Türzarge oder ein Fensterrahmen eingebaut werden soll.
- Wie sich die Öffnung auf Raumaufteilung und Möbel auswirkt.
Bei tragenden Wänden ist eine statistische Berechnung und in der Regel eine Baugenehmigung erforderlich. In Deutschland sind die Bauordnungen Ländersache – informieren Sie sich daher bei Ihrem örtlichen Bauamt, bevor Sie beginnen.
Temporäre Abstützung – Sicherheit zuerst
Bevor Sie Mauerwerk entfernen, muss die Last der Wand abgefangen werden. Dazu werden Stahlstützen oder Holzbalken (auch „Baustützen“ genannt) auf beiden Seiten der Wand angebracht.
- Markieren Sie die geplante Öffnung mit Bleistift oder Schnur.
- Bohren Sie oberhalb der Markierung Löcher und setzen Sie Stahlträger oder stabile Balken ein, die die Last vorübergehend tragen.
- Achten Sie darauf, dass die Abstützung fest und waagerecht steht.
Gerade bei älteren Gebäuden ist diese Sicherung entscheidend, da das Mauerwerk oft nicht mehr in perfektem Zustand ist.
Schrittweise Öffnen des Mauerwerks
Ist die Abstützung stabil, können Sie mit dem Öffnen beginnen. Verwenden Sie Trennschleifer, Bohrhammer oder Meißel, um entlang der Markierung zu arbeiten. Gehen Sie behutsam vor:
- Schneiden Sie zunächst die Fugen entlang der Markierung.
- Entfernen Sie die Steine Schicht für Schicht – von oben nach unten.
- Arbeiten Sie langsam und kontrolliert, um Risse im umliegenden Mauerwerk zu vermeiden.
Tragen Sie Schutzbrille, Handschuhe, Gehörschutz und Atemmaske – der entstehende Staub kann gesundheitsschädlich sein.
Einbau des Sturzes – das neue tragende Element
Nach dem Ausschneiden der Öffnung wird ein Sturz (meist aus Stahl oder Beton) eingebaut, der die Last über der Öffnung aufnimmt. Die Dimensionierung des Sturzes hängt von Wandstärke, Spannweite und Belastung ab – lassen Sie diese Werte im Zweifel vom Statiker berechnen.
- Setzen Sie den Sturz in ein Bett aus Mörtel.
- Achten Sie auf eine ausreichende Auflagerlänge (in der Regel 20–25 cm auf jeder Seite).
- Kontrollieren Sie, dass der Sturz exakt in Waage liegt, bevor Sie die provisorische Abstützung entfernen.
Erst wenn der Mörtel vollständig ausgehärtet ist, dürfen die Baustützen entfernt werden.
Nacharbeiten und Feinschliff
Ist die Öffnung fertiggestellt, können Sie die Kanten glätten und die gewünschte Einfassung – etwa eine Türzarge oder einen Fensterrahmen – einsetzen. Anschließend:
- Verputzen und streichen Sie die Wand, damit die neue Öffnung optisch harmonisch wirkt.
- Kontrollieren Sie Fugen und Übergänge auf feine Risse nach dem Trocknen.
- Reinigen Sie gründlich, um Staub und Mörtelreste zu entfernen.
Wenn Sie in eine tragende Wand eingegriffen haben, sollte das Ergebnis abschließend von einem Fachmann abgenommen werden.
Wann Sie besser einen Profi beauftragen
Kleinere Öffnungen in nicht tragenden Wänden können geübte Heimwerker oft selbst ausführen. Doch professionelle Hilfe ist ratsam, wenn:
- Sie die Tragfähigkeit der Wand nicht sicher einschätzen können.
- Ein Sturz eingebaut werden muss.
- Das Gebäude alt ist oder bereits Risse und Feuchtigkeitsschäden zeigt.
Ein erfahrener Maurer oder Statiker sorgt dafür, dass die Arbeiten sicher, fachgerecht und nach geltenden Bauvorschriften ausgeführt werden.
Ein Projekt mit Verantwortung
Eine neue Öffnung im Mauerwerk kann Räume verwandeln und das Wohngefühl deutlich verbessern. Doch sie greift in die Statik des Hauses ein – und verlangt daher Respekt, Planung und Präzision. Mit sorgfältiger Vorbereitung und gegebenenfalls professioneller Unterstützung schaffen Sie ein dauerhaft stabiles und ästhetisches Ergebnis, das Ihr Zuhause aufwertet.













